Unzählige Diäten in den letzten 30 Jahren, alle ohne dauerhaften Erfolg – es ist Zeit die Perspektive zu wechseln!

Seit ich denken kann bin ich etwas zu dick. Nicht viel zu dick und auch nicht unförmig, aber halt etwas zu kräftig. Zum ersten Mal wurde mir das bewusst, als ich auf der Hochzeit meines Onkels mit 12 Jahren mehr als 50 kg wog. Schon damals hatte ich Angst davor, dass mich jemand hochheben könnte und dann merken würde, wie schwer ich war. Dann war ein dummer Spruch unausweichlich, dachte ich. Und wenn derjenige so nett gewesen wäre, nichts zu sagen, dann hätte er es zumindest gedacht, da war ich mir sicher. Das war auch der Anfang meiner Diätgeschichte – in den letzten 30 Jahren folgten so einige Diäten:

  • FdH
  • Brigitte Diät
  • Low fat 30
  • MyLine
  • Fit for Fun
  • WW (in mehreren Anläufen)
  • Glyx
Bei all diesen Diäten hatte ich kurzfristige Erfolge, wenn ich sie wirklich ernsthaft betrieben habe. Alle hatten aber auch gemeinsam, dass ich mich strengen Regeln, Essensplänen, Verboten und Sportprogrammen unterwerfen musste. Auf Feiern saß ich einsam vor meinem Teller Salat und schielte neidisch auf die Teller der anderen. Zur Ablenkung nippte ich an meinem Wasser, während die anderen Rotwein tranken. Aber ich war tapfer, ich hielt durch und schaffte es tatsächlich mehrfach, in einen gesunden BMI-Bereich zu kommen.
Aber sobald ich mein Ziel erreicht hatte und die Diät beendet hatte, fing mein Gewicht langsam wieder an zu steigen. Den extremsten Fall hatte ich 1991 als ich im Sommer mehr als 10 kg abgenommen hatte. Ich fühlte mich gut und war stolz auf das Erreichte. Und dann kam mein Auslandssemester in Frankreich. Leider gehöre ich nicht zu den Weltenbummlern, die sich überall wohlfühlen. Ich fühlte mich einsam und allein in dem riesigen Studentenwohnheim, obwohl ich – realistisch betrachtet – nicht allein war. Und was tat ich um mich zu trösten? Essen! Essen war Trost, Ablenkung, Beschäftigung, Genuss – alles in einem! Wo ich doch sonst schon nichts hatte! Dann wenigstens Essen! Und das leckere französische Baguette mit Käse oder Nutella – unschlagbar. Am besten sogar mit Käse und Nutella. So kam es wie es kommen musste – ich hatte innerhalb weniger Wochen alles wieder drauf und noch etwas mehr – Jojo-Effekt vom Feinsten.
Auch wenn es damals extremer als in den anderen Fällen war, so hatten alle Diätversuche eines gemeinsam: sie waren nicht von dauerhaftem Erfolg.
Manchmal erreichte ich das Ziel, was ich mir gesetzt hatte, manchmal brach ich die Diät auch ab, bevor ich das Ziel erreicht hatte. Nachdem auch mein letzter Versuch gescheitert war, begann ich mal wieder zu grübeln. Woran liegt es, dass ich es nicht schaffe dauerhaft abzunehmen? An mangelndem Wissen über Nahrungsmittel, Bewegung und Verbrennungsprinzipien des Körpers konnte es nicht liegen, denn darüber hatte ich in jedem Diätratgeber so viel gelesen, dass ich mich dort recht fit fühlte. Aber an einem Thema hatte ich noch nie gearbeitet: an den Gründen für mein Übergewicht. Darüber wollte ich in der Vergangenheit auch nicht nachdenken, das war mir unangenehm. Aber wenn alle anderen Wege scheiterten, vielleicht sollte ich dann wirklich mal etwas Neues probieren.
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Albert Einstein
Und dann habe ich mich endlich damit auseinander gesetzt, warum ich zu viel esse. Manchmal ist es ein Stress- oder Frustessen. Essen als Trost, Essen gegen Einsamkeit, Essen gegen Langeweile, Essen als Ablenkung. Essen, weil es “Zeit dazu ist”. Und ganz beliebt: Essen als soziales Erlebnis in Gemeinschaft. Wow, ganz schön viele emotionale Hunger, die ich mit Essen stille. Kein Wunder, dass ich zu schwer bin! Aber wie kann ich das in den Griff bekommen? Ich habe dazu etwas recherchiert und momentan gibt es relativ Literatur zu dem Thema “Abnehmen durch Achtsamkeit”. Nachdem ich ein paar Bücher dazu gelesen hatte, war der Entschluss da – ich möchte mit Achtsamkeit abnehmen! Da könnte ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn Achtsamkeit könnte mir auch bei meinen Stress-Symptomen helfen.

Das Konzept des achtsamen Abnehmens überzeugt mich deutlich mehr, als alles andere, was ich von der Diätindustrie bisher zu lesen bekommen habe. Es setzt auf die Weisheit des eigenen Körpers. Endlich keine Diätpläne mehr, die von außen vorgeben, wann ich satt zu sein habe. Nein, stattdessen sollen wir einfach mal wieder hinhören – wann bin ich satt? Habe ich jetzt wirklich körperlichen Hunger? Oder ist es eher ein emotionaler Hunger? Ist mir das Essen bekommen? Wie fühle ich mich hinterher?

Hört sich einfach an, ist es aber nicht, denn es erfordert eine intensive Befassung mit sich selbst, mit dem eigenen Körper und den Gefühlen. Nur so kann ich überhaupt feststellen, warum ich jetzt essen möchte. Und am schwierigsten ist es, erst einmal aus dem Autopilot-Modus auszubrechen. Zu stoppen, wenn die Hand zur Schokolade geht und sich zu fragen – hast du wirklich Hunger? Meine Erfahrung zeigt mir, dass das auch kein ganz leichter Weg ist. Immerhin habe ich meinen ersten Versuch vor mehr als einem Jahr gestartet und dieses ist jetzt mein zweiter. Aber dieses Mal schaffe ich es 🙂
Liebe Grüße
Nicky